Der folgende Jahresrückblick ist ein Originalzitat aus meinem Tagebuch, von 2020-12-31 um 23:00 Uhr. Ein chronologischer Jahresrückblick ergibt dieses Jahr leider nur wenig Sinn. Gleiches gilt für Bilder, davon sind dieses Jahr ebenfalls nicht wirklich viele entstanden, die ausdrücken, was passiert ist.

Silvester, Prime Time, und ich sitze alleine zu Hause und schreibe Tagebuch. In jeder anderen Zeit wäre ich sehr traurig, aber um ehrlich zu sein fühle ich einfach nichts – diese Pandemie scheint Gefühle zu betäuben. Letztlich war mir wohl auch schon vorher klar, dass Silvester nicht wirklich besonders und ich nicht in Feierlaune sein würde, und mit beidem habe ich Recht behalten.

Weihnachten an sich war zwar schön, auch auch hier fehlte es mir sehr deutlich an Stimmung. Keine Weihnachtsmärkte, kein Geschenkekauf in letzter Minute, keine Lichterketten in der Stadt. Gut, letztere hingen natürlich wie jedes Jahr, doch in Aktion gesehen habe ich sie dieses Jahr nicht.

Die Aussicht auf nächstes Jahr ist zumindest für die nahe Zukunft ebenso düster wie der Tag ab 18 Uhr. Bis zum 10. Januar wird der Lockdown auf jeden Fall anhalten, und die Verlängerung kommt voraussichtlich am 5. Januar. Aktuell im Raum stehen Termine um Ende Januar, ich rechne allerdings eher mit Anfang März.

Immerhin, die Impfungen sind vor vier Tagen angelaufen. Bis ich vollständig durchgeimpft sein werde, wird es aber sehr wahrscheinlich Herbst oder schon wieder Winter sein. Etwas mehr Normalbetrieb ist für den Sommer zum Glück trotzdem zu erwarten, dennoch sind wir noch lange nicht durch – sehr frustrierend.

Eigentlich wäre jetzt der perfekte Zeitpunkt für einen Jahresrückblick, nur: Ich habe eigentlich kaum etwas, auf das ich zurückblicken kann. Im Lockdown werden Monate zu Tagen, nur zu unterscheiden durch die Temperatur und die Helligkeit am Abend. Jeder Tag ist gleich – Videokonferenzen für Uni, Arbeit, SP und Fachschaft – und am Abend dann Abgaben und sonstige Aufgaben, bevor ich vor dem Fernseher versinke und den Rest meiner Zeit verschwende.

Meine größte Leistung dieses Jahr war die Arbeit für das SP. Ohne Frage floss hier das meiste Engagement hinein, und auch kam es hier zu den größten Erfolgen. Mal sehen, wie sich das auf die nächste Wahl auswirkt, ich prognostiziere hier leider eher Verluste, weil dieses Mal kein Wahlkampf fernab der Wahlzeitung möglich ist und keiner uns der großen Parteien wegen wählen wird.

Bei den Schützen ging dieses Jahr gar nichts, sämtliche Veranstaltungen mussten abgesagt werden, ebenso die Wettkämpfe. Seit Beginn der Pandemie habe ich genau einen Wettkampf Ende Oktober schießen können.

Tanzen fällt ebenfalls seit einer ganzen Weile flach. Im Tanzhaus war ich seit Mitte März genau ein Mal, und nicht einmal im West Coast Swing-Kurs, da der immer überfüllt war. Bei Breuer war ich öfter, ich glaube allerdings nicht, dass unser Kurs diesen Lockdown übersteht.

Im Sommer und Herbst habe ich es geschafft, mit dem Joggen anzufangen, und zwar so richtig. Zwar ist das zum Winter hin wieder eingeschlafen, aber ich bin überzeugt, dass das im Frühjahr wieder Fahrt aufnehmen wird.

Unimäßig war das Jahr genau das – mäßig. Definitiv kein kompletter Reinfall, der Situation entsprechend wahrscheinlich sogar ganz gut, aber doch irgendwo hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Sei 's drum, denn ich studiere aus Spaß und Leidenschaft, ich habe keine Zeitnot, und sollte mir deshalb auch keine machen.

Mit der Arbeit bin ich soweit zufrieden. Zum Beginn des Sommersemesters habe ich einen langjährigen Vertrag auslaufen lassen, im Sommer habe ich weiter an dem Projekt meiner Bachelorarbeit gearbeitet, und jetzt, im Wintersemester, halte ich zwei Tutorien.

Wenn ich eines 2020 geschafft habe, dann ist es das Inmichgehen (ein Wort). Ich habe neue Sachen ausprobiert, um mich zu konzentrieren, zu motivieren, zu fokussieren, zu sammeln und zu beruhigen – aus der Not heraus. Dieses jahr war einfach so verrückt und hat so vieles auf den Kopf gestellt, dass diese Fertigkeiten überlebensnotwendig waren, und ich lerne noch immer.

Zwei Sachen habe ich dieses jahr noch sehr gut umgesetzt, mit denen ich, als positive Note, auch enden möchte. Neben dem Tagebuch schreiben habe ich, um mich zu sammeln und herunterzukommen, mit dem Spazieren gehen angefangen, das ich seit Mitte April täglich umsetze, mit heute genau 28 Tage; meistens für eine halbe bis ganze Stunde. Das hilft sehr, und es motiviert mich, rauszugehen, mich zu bewegen und Podcasts zu hören.

Und seit Anfang Oktober lebe ich vegan. Die Zeit war einfach perfekt, das auszuprobieren, und ich habe mich damit so gut zurechtgefunden, dass es über die Experimentierphase hinaus gegangen ist.

Was bleibt einem nach so einem Jahr anderes, als allen zu wünschen, dass sie gesund bleiben, wir das alle gut überstehen und es bald vorbei ist und schnell besser wird.

Auf ein besseres Jahr
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